Die Hochzeit meines Freundes und Kollegen D. werde ich so schnell nicht vergessen. Zusammen mit einem Freund bin ich gestern nach München geflogen. Wir waren frühzeitig beim Brautpaar und sind zusammen mit den Eltern des Bräutigams mit der U-Bahn zum Standesamt gefahren. Die Trauung war schön und alle sehr glücklich. Viele Freunde waren gekommen und es wurden ein paar Flaschen Sekt getrunken. Zurück konnten wir mit Schwester und Schwager der Braut im Auto fahren. Da ich den Schwager bereits mehrfach erlebt habe dachte ich bereits in der Tiefgarage „Ob das so eine gute Idee ist, da geht doch sicher wieder was schief“.

Böse Gedanken, ganz böse Gedanken!

Mitten in München sind wir liegen geblieben, der Gaszug war gerissen. Unser Fahrer, nennen wir ihn C., öffnete die Motorhaube und fummelte am Motor rum. Nach einiger Zeit verschwand er. Er wollte ein Teil suchen, dass verloren gegangen war. Er lief hinter dem Auto die Straße hinauf und schaute auf den Boden. Irgendwann verschwand er und tauchte nicht wieder auf.

Das Brautpaar war nicht zu erreichen, nur der Anrufbeantworter. Wir saßen also im Auto und warteten. C. kam nicht wieder. Nach zwanzig Minuten rief seine Frau ihn an. Er stand bei Conrad Electronic in der Schlange an der Kasse. Er sagte er hätte ein Ersatzteil gekauft. Ich ahnte böses.

Endlich erreichte ich D. und er war sich sofort klar, dass das nicht gut gehen wird. Er sagte zu, uns zu helfen und wollte sich auf den Weg machen. Kurz nach dem Telefonat tauchte C. endlich wieder auf. Ich denke wir standen schon 45 Minuten mit Warnblinker am Straßenrand. C. fragte ob wir vielleicht einen kleinen Schraubendreher hätten, der aus dem Bordwerkzeug passte nicht in das „Ersatzteil“ – eine Lüsterklemme!

Mein Telefon klingelte, D. brauchte noch ein paar Informationen. Ich gab ihm C., der sofort nach einem kleinen Schraubendreher fragte „für so’n Dings für Lampen“. Während wir auf die Rettung durch den Bräutigam warteten, verließ uns C. auf der Suche nach einem Schraubendreher zum zweiten mal. Diesmal kam er aber schon nach fünf Minuten zurück und versuchte den Gaszug nun irgendwie zu flicken. Erfolglos.

Als D. endlich eintraf und das Abschleppseil aus dem Kofferraum holte, standen wir bereits 90 Minuten rum. In München war es gestern übrigens schön kalt. Es war mittlerweile 17:30 Uhr, um 18:00 Uhr sollte das Essen im Restaurant beginnen. Praktisch war, dass wir nur 5 Minuten vom Restaurant entfernt liegen geblieben waren. Während Brätigaum, Schwager und Schwägerin das defekte Auto abschleppten, gingen wir zwei Norddeutschen schon mal ins Restaurant. Dort hat man uns natürlich noch nicht erwartet, aber wir durften an der Bar warten und uns mit einem doppelten Espresso aufwärmen.

Irgendwann trafen die ersten Gäste ein. Unsere Gastgeber und der Rest der Gesellschaft kamen mit deutlicher Verspätung – es hat halt gedauert bis der Schleppverband sein Ziel erreicht hat. Das Essen konnte erst verspätet starten. Leider mussten wir nach der zweiten Vorspeise aufbrechen, um den letzten Flug nach Hamburg noch zu erwischen.

Trotz oder gerade wegen dieser Geschichte war es ein toller Tag an den ich noch lange Zurück denken werde. Auch das Brautpaar wird sicher an jedem Hochzeitstag gerne an das Erlebte zurück denken.